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Medizin

Aussteuerung.

Was nach dem Ende des Krankengeldes kommt, warum die Arbeitslosmeldung auch ohne Kündigung erfolgen muss und weshalb der wichtigste Termin einige Wochen vor dem Stichtag liegt.

8 Min. LesezeitStand: Mai 2026familum · Rechtsanwaltskanzlei Weber

Krankengeld wird wegen derselben Krankheit für längstens 78 Wochen innerhalb einer Dreijahres-Blockfrist gezahlt, wobei die ersten sechs Wochen in der Regel auf die Entgeltfortzahlung entfallen. Ist dieser Zeitraum ausgeschöpft, spricht man von Aussteuerung. Die Lücke bis zu einer Erwerbsminderungsrente schließt § 145 SGB III: Arbeitslosengeld gibt es auch dann, wenn die Leistungsfähigkeit voraussichtlich für mehr als sechs Monate so gemindert ist, dass eine Beschäftigung von mindestens fünfzehn Wochenstunden nicht möglich erscheint. Wichtig: Die Arbeitslosmeldung muss persönlich und rechtzeitig erfolgen, und zwar auch dann, wenn das Arbeitsverhältnis fortbesteht.

Kapitel01 / 07

Einleitung

Die Krankenkasse kündigt die Aussteuerung in aller Regel vorher an, und dieses Schreiben ist der wichtigste Brief des gesamten Verfahrens. Denn was danach passiert, hängt fast vollständig davon ab, ob rechtzeitig gehandelt wurde.

Gegen die Aussteuerung selbst hilft kein Widerspruch, wenn die Höchstdauer tatsächlich erreicht ist. Was hilft, ist ein Fahrplan, und er hat drei Ziele: Einkommen sichern, Krankenversicherungsschutz sichern und die Weichen für die Erwerbsminderungsrente richtig stellen. Dieser Beitrag beschreibt ihn. Er ergänzt unseren Beitrag zum gestrichenen Krankengeld; die Einordnung des Rechtsgebiets finden Sie auf unserer Seite zum Anwalt für Medizinrecht.

Kapitel02 / 07

Die Nahtlosigkeitsregelung. Wie sie funktioniert.

Arbeitslosengeld für Menschen, die dem Arbeitsmarkt gerade nicht zur Verfügung stehen.

Normalerweise setzt Arbeitslosengeld voraus, dass man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. § 145 SGB III durchbricht diesen Grundsatz. Die Vorschrift greift, wenn die Leistungsfähigkeit voraussichtlich für mehr als sechs Monate gemindert ist und deshalb eine Beschäftigung von mindestens fünfzehn Wochenstunden unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts nicht möglich erscheint. Maßgeblich ist dabei nicht allein die bisherige Tätigkeit.

Für Betroffene bedeutet das: Sie können Arbeitslosengeld beziehen, obwohl sie weiterhin krank sind, und zwar so lange, bis die nachfolgende Leistung beginnt. Während dieses Bezugs besteht der Krankenversicherungsschutz fort, und die Beiträge trägt die Agentur für Arbeit. Das arbeitsrechtliche Arbeitsverhältnis bleibt daneben bestehen, eine Kündigung ist nicht erforderlich.

Voraussetzung sind die allgemeinen Bedingungen des Arbeitslosengeldes, insbesondere die Anwartschaftszeit, und die persönliche Arbeitslosmeldung. Diese Meldung ist der kritische Punkt, weil sie nicht rückwirkend nachgeholt werden kann. Sie sollte deshalb vor dem Ende des Krankengeldbezugs erfolgen.

Normalerweise setzt Arbeitslosengeld voraus, dass man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Kapitel03 / 07

Die Aufforderung zum Reha- oder Rentenantrag.

Eine Weiche mit erheblichen Folgen, die nicht ignoriert werden darf.

Die Agentur für Arbeit kann Betroffene auffordern, innerhalb eines Monats einen Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben zu stellen, und sie kann die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente verlangen. Wird dieser Aufforderung nicht nachgekommen, kann die Zahlung des Arbeitslosengeldes eingestellt werden.

Diese Aufforderung sollte nie unbeantwortet bleiben, aber sie sollte auch nie ungeprüft beantwortet werden. Der Grund liegt in einer Regelung des Rentenrechts: Ein Antrag auf Leistungen zur Rehabilitation kann unter bestimmten Voraussetzungen in einen Rentenantrag umgedeutet werden, insbesondere wenn die Rehabilitation keinen Erfolg verspricht oder ohne Erfolg geblieben ist. Damit werden Weichen gestellt, die den weiteren Leistungsbezug und den Rentenbeginn erheblich beeinflussen.

Zu beachten ist außerdem: Stellt der Rentenversicherungsträger eine Erwerbsminderung fest, entfällt der Anwendungsbereich der Nahtlosigkeitsregelung. Das gilt nach der Rechtsprechung unabhängig davon, ob die Rente sofort oder erst später beginnt und ob die Entscheidung bereits bestandskräftig ist. Dieser Übergang ist der Punkt, an dem in der Praxis neue Lücken entstehen, und er gehört vorher durchgerechnet.

Kapitel04 / 07

Der Versicherungsschutz. Die stille Gefahr.

Wer nichts tut, verliert nicht nur Einkommen.

Mit dem Ende des Krankengeldbezugs endet für versicherungspflichtig Beschäftigte auch die daran geknüpfte Mitgliedschaft in ihrer bisherigen Form. Wer in dieser Situation weder Arbeitslosengeld bezieht noch anderweitig versichert ist, steht vor einer Lücke im Krankenversicherungsschutz, die sich später nur mit Nachzahlungen schließen lässt.

Der Bezug von Arbeitslosengeld nach der Nahtlosigkeitsregelung löst dieses Problem, weil die Agentur für Arbeit die Beiträge trägt. Wo das nicht in Betracht kommt, sind andere Wege zu prüfen: die Familienversicherung, die freiwillige Weiterversicherung mit den dafür geltenden Fristen oder, bei entsprechender Bedürftigkeit, die Übernahme der Beiträge im Rahmen von Grundsicherungsleistungen.

Wichtig ist der Zeitpunkt. Alle diese Wege haben Fristen oder Antragserfordernisse, und sie greifen nicht automatisch. Wer erst nach dem Stichtag anfängt zu klären, produziert genau die Lücke, die zu vermeiden gewesen wäre.

SchrittZeitpunktWarum es zählt
Ankündigung der Aussteuerung prüfenSofort nach ErhaltBerechnung von Blockfrist und Anrechnungszeiten kontrollieren
Persönliche ArbeitslosmeldungVor Ende des KrankengeldbezugsNicht rückwirkend nachholbar
Antrag auf Arbeitslosengeld nach § 145 SGB IIIMit der MeldungSichert Einkommen und Beitragsübernahme
Reaktion auf Aufforderung zur AntragstellungInnerhalb der gesetzten FristOhne Reaktion droht Einstellung der Zahlung
Prüfung der RentenantragsfolgenVor Abgabe des AntragsUmdeutung in einen Rentenantrag ist möglich
Krankenversicherungsschutz klärenVor dem StichtagLücken lassen sich nur mit Nachzahlungen schließen

Stand: Juli 2026. Erfahrungswerte aus der Beratungspraxis, ohne Garantieanspruch für den Einzelfall.

Kapitel05 / 07

Was Sie konkret tun sollten

  • Erstens. Beginnen Sie den Fahrplan, sobald das Ende des Krankengeldbezugs absehbar ist, nicht erst nach dem Schreiben der Kasse. Sechs Monate Vorlauf sind angemessen.
  • Zweitens. Prüfen Sie die Berechnung. Blockfristbeginn, Anrechnung von Vorerkrankungszeiten und die Frage, ob es sich tatsächlich um dieselbe Krankheit handelt, sind fehleranfällig, und nur diese Punkte sind angreifbar.
  • Drittens. Melden Sie sich persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos, bevor das Krankengeld endet, auch wenn Ihr Arbeitsverhältnis fortbesteht und Sie weiter krankgeschrieben sind.
  • Viertens. Beantworten Sie Aufforderungen zur Antragstellung fristgerecht, aber lassen Sie vorher prüfen, welche Folgen der Antrag hat. Eine Umdeutung in einen Rentenantrag verändert Rentenbeginn und Leistungsbezug.
  • Fünftens. Klären Sie den Krankenversicherungsschutz ausdrücklich und vor dem Stichtag. Er greift nicht automatisch.
  • Sechstens. Führen Sie Ihre Krankschreibungen weiter, solange Arbeitsunfähigkeit besteht. Sie sind Grundlage sowohl für die Nahtlosigkeitsregelung als auch für ein späteres Rentenverfahren.
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Häufige Fragen

Was bedeutet Aussteuerung?

Das Ende des Krankengeldbezugs, weil die Höchstdauer erreicht ist. Krankengeld wird wegen derselben Krankheit für längstens 78 Wochen innerhalb einer Dreijahres-Blockfrist gezahlt, wobei die ersten sechs Wochen in der Regel auf die Entgeltfortzahlung entfallen. Eine hinzutretende weitere Krankheit verlängert die Höchstdauer nicht.

Was ist die Nahtlosigkeitsregelung?

Eine Regelung in § 145 SGB III, nach der Arbeitslosengeld auch dann beansprucht werden kann, wenn die Leistungsfähigkeit voraussichtlich für mehr als sechs Monate so gemindert ist, dass eine Beschäftigung von mindestens fünfzehn Wochenstunden nicht möglich erscheint. Sie schließt die Lücke zwischen Krankengeld und Erwerbsminderungsrente.

Muss ich gekündigt sein, um Arbeitslosengeld zu bekommen?

Nein. Die Arbeitslosmeldung ist auch dann vorzunehmen, wenn das Arbeitsverhältnis fortbesteht, und sie ist bei Bezug nach der Nahtlosigkeitsregelung ausdrücklich vorgesehen. Sie muss allerdings persönlich und rechtzeitig erfolgen und lässt sich nicht rückwirkend nachholen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung?

Während des Bezugs von Arbeitslosengeld besteht der Versicherungsschutz fort, und die Beiträge trägt die Agentur für Arbeit. Ohne Leistungsbezug ist der Anschluss gesondert zu klären, etwa über die Familienversicherung oder die freiwillige Weiterversicherung mit den dafür geltenden Fristen.

Muss ich eine Erwerbsminderungsrente beantragen?

Die Agentur für Arbeit kann dazu auffordern, ebenso zu einem Antrag auf Leistungen zur Rehabilitation, und bei Nichtbefolgung kann die Zahlung eingestellt werden. Vor Abgabe sollte allerdings geprüft werden, welche Folgen der Antrag hat, weil ein Rehabilitationsantrag unter bestimmten Voraussetzungen in einen Rentenantrag umgedeutet werden kann.

Lohnt sich ein Widerspruch gegen die Aussteuerung?

Gegen das Erreichen der Höchstdauer selbst nicht. Angreifbar ist die Berechnung: Blockfristbeginn, Anrechnung von Vorerkrankungszeiten und die Frage, ob tatsächlich dieselbe Krankheit vorliegt. Diese Punkte sollten geprüft werden, bevor das Ergebnis hingenommen wird.

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