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Ratgeber

Sport & Verein

Der eSport-Spielervertrag.

Warum Profispieler in Deutschland regelmäßig Arbeitnehmer sind, weshalb viele nach amerikanischem Vorbild formulierte Klauseln hier nicht halten und was gilt, wenn das Gehalt ausbleibt, der Spieler gebencht wird oder die Organisation Ansprüche auf den eigenen Kanal erhebt.

11 Min. LesezeitStand: Mai 2026familum · Rechtsanwaltskanzlei Weber

eSportlerinnen und eSportler, die für eine Organisation nach festen Trainingsplänen antreten, sind in aller Regel Arbeitnehmer. Damit gelten Befristungsrecht, Entgeltfortzahlung, Urlaubsanspruch, Mindestlohn und Kündigungsschutz, und zahlreiche Klauseln aus international üblichen Verträgen sind unwirksam. Bei Minderjährigen kommt das Jugendarbeitsschutzgesetz hinzu, das die Beschäftigung von Kindern unter fünfzehn Jahren grundsätzlich verbietet und für Jugendliche strenge Arbeitszeitgrenzen setzt, die mit typischen Turnier- und Trainingszeiten kollidieren. Der wirtschaftlich wichtigste Streitpunkt sind meist nicht Gehälter, sondern die Rechte an Streaming-Kanal und Inhalten.

Kapitel01 / 09

Einleitung

Die Verträge der Szene stammen häufig aus einem Umfeld, in dem Arbeitsrecht anders funktioniert. Sie enthalten lange Bindungen, weitreichende Rechteübertragungen, Vertragsstrafen für Kritik an der Organisation, freie Kündigungsrechte des Teams und Regelungen, nach denen sämtliche Einnahmen des Spielers der Organisation zustehen. In Deutschland scheitert ein erheblicher Teil dieser Klauseln, weil sie am zwingenden Arbeitsrecht und an der Inhaltskontrolle vorformulierter Verträge gemessen werden.

Für die betroffenen Spieler ist das gute Nachricht und Problem zugleich. Gut, weil ihre Position stärker ist, als der Vertragstext suggeriert. Problematisch, weil kaum jemand diese Position kennt, solange das Verhältnis funktioniert, und weil viele Spieler jung sind und sich nicht als Arbeitnehmer verstehen. Betroffen sind Organisationen und Spieler in Berlin, Hamburg, Köln oder Leipzig ebenso wie Vereine, die eine eSport-Abteilung aufbauen.

Zu unterscheiden ist der Profibereich vom Vereinssport. Wo eine eingetragene Vereinsabteilung eSport betreibt, stellen sich zusätzlich Fragen der Gemeinnützigkeit, die der Beitrag zum gemeinnützigen eSport-Verein behandelt. Den Gesamtüberblick gibt unsere Seite zum Sportrecht.

Dieser Beitrag erklärt die Statusfrage, die Folgen des Arbeitnehmerstatus für Befristung und Kündigung, die Rechtslage bei Gehaltsrückstand und Benching, die Behandlung von Streaming- und Content-Rechten, die besonderen Anforderungen bei Minderjährigen sowie den Umgang mit Transfer-, Buyout- und Vertragsstrafenklauseln.

Kapitel02 / 09

Arbeitnehmer oder nicht

Die Frage, an der alles hängt.

Arbeitnehmer ist, wer weisungsgebunden und persönlich abhängig fremdbestimmte Arbeit leistet. Im professionellen eSport sind diese Merkmale regelmäßig erfüllt. Die Organisation gibt Trainingszeiten und Trainingsinhalte vor, bestimmt die Teilnahme an Turnieren und Bootcamps, stellt Ausrüstung und Infrastruktur, verlangt persönliche Leistungserbringung und bindet den Spieler in ein Team ein, dessen Zusammensetzung sie steuert. Wer unter diesen Bedingungen antritt, ist Arbeitnehmer, unabhängig davon, ob der Vertrag von Player Contract, Honorarvereinbarung oder Partnerschaft spricht.

Anders liegt es bei reinen Content-Creators und Streamern, die Inhalte eigenverantwortlich produzieren, ihre Zeiten selbst bestimmen und ihre Einnahmen unmittelbar über Plattformen erzielen. Hier ist eine selbständige Tätigkeit gut vertretbar. Die Praxis vermischt beides, weil viele Spieler zugleich streamen, und genau in dieser Mischung entstehen die Streitigkeiten.

Der Status ist keine akademische Frage. Aus ihm folgen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz, der gesetzliche Mindestlohn, der Schutz des Befristungsrechts und, sofern die Organisation mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt, der allgemeine Kündigungsschutz. Auch die Melde- und Beitragspflichten zur Sozialversicherung hängen daran, mit demselben Nachzahlungsrisiko, das wir im Beitrag zum Unterschied zwischen Amateur und Vertragsspieler für den klassischen Sport beschreiben.

Arbeitnehmer ist, wer weisungsgebunden und persönlich abhängig fremdbestimmte Arbeit leistet.

Kapitel03 / 09

Befristung und Kündigung

Zwei Regeln, die den Vertragstext häufig überholen.

eSport-Verträge sind fast immer befristet. Die Befristungsabrede bedarf nach § 14 Abs. 4 TzBfG der Schriftform und muss vor Arbeitsaufnahme unterzeichnet sein. Wird sie erst danach unterschrieben, was in einer Szene mit kurzfristigen Roster-Wechseln häufig vorkommt, ist sie nichtig, und es entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Eine sachgrundlose Befristung ist bis zu zwei Jahre möglich, sofern zuvor kein Arbeitsverhältnis mit derselben Organisation bestand. Ob der im Sport anerkannte Sachgrund der Eigenart der Arbeitsleistung auch im eSport trägt, ist nicht abschließend geklärt und dürfte von Disziplin, Professionalisierungsgrad und Öffentlichkeitsbezug abhängen.

Ebenso wichtig ist § 15 Abs. 4 TzBfG. Die ordentliche Kündigung eines befristeten Vertrags ist nur möglich, wenn sie ausdrücklich vereinbart ist. Viele Verträge sehen ein einseitiges Kündigungsrecht der Organisation vor, ohne dem Spieler ein entsprechendes Recht einzuräumen. Eine solche Asymmetrie ist in vorformulierten Verträgen angreifbar, und ohne wirksame Klausel bleibt beiden Seiten nur die außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund oder die Einigung.

Für den Spieler folgt daraus eine oft überraschende Position. Wer nach zwei Monaten aus dem Roster genommen wird und ein Schreiben mit sofortiger Vertragsbeendigung erhält, ist damit in aller Regel nicht wirksam gekündigt. Die Dreiwochenfrist für die Kündigungsschutzklage läuft gleichwohl ab Zugang, und wer sie verstreichen lässt, verliert seine Position unabhängig davon, wie fehlerhaft die Kündigung war.

Kapitel04 / 09

Gehalt, Benching und Prämien

Was bleibt, wenn nicht mehr gespielt wird.

Bleibt das Gehalt aus, gilt dasselbe wie im übrigen Sportarbeitsrecht. Zuerst sind die Ansprüche schriftlich geltend zu machen, weil vertragliche Ausschlussfristen sie binnen weniger Monate vernichten. Sodann ist abzumahnen und die Ausübung des Zurückbehaltungsrechts anzukündigen, bevor die Leistung tatsächlich eingestellt wird. Erst danach kommt die außerordentliche Kündigung in Betracht, für die längerer oder wiederholter Zahlungsverzug einen wichtigen Grund darstellen kann. Wer ohne Ankündigung Training und Matches ausfallen lässt, liefert der Organisation den Kündigungsgrund, den sie sonst nicht hätte. Die Einzelheiten dieser Reihenfolge behandelt der Beitrag zur Befristung im Spielervertrag.

Beim Benching, also der Herausnahme aus dem aktiven Roster, ist die Rechtslage klar und wird trotzdem selten durchgesetzt. Das Arbeitsverhältnis besteht fort, und die Vergütung ist weiterzuzahlen. Ein Anspruch auf Einsatz in bestimmten Matches besteht nicht, weil die Aufstellung eine sportliche Entscheidung ist. Problematisch wird es dort, wo die Zuweisung nicht mehr vertragsgemäß ist, etwa wenn der Spieler dauerhaft vom Team getrennt trainiert oder ihm der Zugang zu Infrastruktur und Bootcamps entzogen wird.

Streitig sind regelmäßig die Preisgeldbeteiligungen. Sie knüpfen an Turnierteilnahmen an, die der gebenchte Spieler nicht mehr bestreiten kann. Wo allein die Entscheidung der Organisation den Eintritt der Bedingung verhindert, spricht viel dafür, den Spieler nicht schlechter zu stellen. Verträge sollten diesen Fall deshalb ausdrücklich regeln, ebenso die Verteilung von Preisgeldern zwischen Organisation und Spielern, die Fälligkeit nach Auszahlung durch den Turnierveranstalter und den Umgang mit Steuern und Quellensteuern bei internationalen Turnieren.

Kapitel05 / 09

Streaming, Kanal und Inhalte

Der wirtschaftlich wichtigste Streitpunkt.

Für viele Spieler ist der eigene Kanal wertvoller als das Gehalt, und genau darauf zielen viele Verträge. Typisch sind Klauseln, nach denen die Organisation sämtliche Nutzungsrechte an während der Vertragslaufzeit erstellten Inhalten erhält, Mindeststreamzeiten vorgibt, Einnahmen aus Abonnements und Spenden beansprucht oder den Kanal selbst als Vermögenswert der Organisation behandelt.

Zu unterscheiden sind drei Ebenen. Erstens der Account und die Community: Der Kanal ist regelmäßig auf den Namen des Spielers angelegt und an dessen Person gebunden, weshalb eine Übertragung an die Organisation nicht ohne ausdrückliche und klare Regelung angenommen werden kann. Zweitens die Nutzungsrechte an konkreten Inhalten: Sie können eingeräumt werden, sollten aber nach Zweck, Kanal, Gebiet und Dauer begrenzt und mit einer Regelung für die Zeit nach Vertragsende versehen sein. Drittens die Einnahmen: Wer als Arbeitnehmer während der Arbeitszeit für die Organisation streamt, erbringt Arbeitsleistung, wofür das Gehalt gezahlt wird. Streamt der Spieler außerhalb dieser Zeiten auf eigenem Kanal, bedarf eine Beteiligung der Organisation einer ausdrücklichen Grundlage, und eine vollständige Abtretung sämtlicher Einnahmen ist in einem vorformulierten Vertrag angreifbar.

Hinzu kommen die Sponsorenkonflikte. Die Organisation hat eigene Partner, der Spieler häufig persönliche. Die Abstimmung folgt denselben Grundsätzen, die wir im Beitrag zum Sponsoringvertrag für Sportler darstellen.

Kapitel06 / 09

Minderjährige Spieler

Der Bereich mit den härtesten Grenzen.

Im eSport sind Spitzenspieler häufig minderjährig, und hier ist das Recht strenger als in jeder anderen Sportart. Mit Kindern unter fünfzehn Jahren darf nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz grundsätzlich kein Arbeitsvertrag geschlossen werden, Ausnahmen sind eng und teils genehmigungsbedürftig. Für Jugendliche zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren gelten strenge Arbeitszeitgrenzen, Beschäftigungsverbote und Pflichten zur gesundheitlichen Betreuung. Praktisch bedeutsam ist vor allem die Nachtruhe, weil Turniere und internationale Matches regelmäßig in Zeiträumen stattfinden, in denen Jugendliche nicht beschäftigt werden dürfen.

Vertragsrechtlich bedarf der Vertrag der Zustimmung der gesetzlichen Vertreter. Bei gemeinsamer Sorge sollten beide Elternteile unterschreiben, weil sich sonst später die Frage der Wirksamkeit stellt. Verbreitet und sinnvoll ist eine Generalermächtigung im Vertrag, damit nicht jede Folgeentscheidung erneut genehmigt werden muss. Läuft der Vertrag mehr als ein Jahr über die Volljährigkeit hinaus, kann zusätzlich eine familiengerichtliche Genehmigung erforderlich sein.

Für Organisationen ist dieser Bereich das größte rechtliche Risiko überhaupt, weil Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz bußgeldbewehrt sind und weil ein unwirksamer Vertrag mit einem Toptalent den wirtschaftlichen Kern des Rosters betrifft.

Klausel oder KonstellationBewertung nach deutschem RechtErfolgsaussicht des Spielers (Erfahrungsspanne)
Befristung erst nach Trainingsbeginn unterschriebenunbefristetes Arbeitsverhältnis70 bis 90 %
Einseitiges Kündigungsrecht nur der Organisationangreifbar, § 15 Abs. 4 TzBfG55 bis 75 %
Gehaltsrückstand über mehrere MonateZurückbehaltung, außerordentliche Kündigung60 bis 80 %
Benching ohne VergütungVergütungsanspruch bleibt70 bis 90 %
Übertragung des gesamten Streaming-Kanalsohne klare Regelung nicht anzunehmen55 bis 75 %
Abtretung sämtlicher Streaming-Einnahmenin vorformulierten Verträgen angreifbar45 bis 65 %
Vertrag mit Spieler unter fünfzehn Jahrengrundsätzlich unzulässighoch, aber Risiko für beide Seiten

Stand: Juli 2026. Erfahrungswerte aus der Beratungspraxis, ohne Garantieanspruch für den Einzelfall.

Kapitel07 / 09

Was Sie konkret tun sollten

Für Spieler und für Organisationen.

  • Erstens. Prüfen Sie als Spieler das Datum der Unterschrift gegen den Beginn der Tätigkeit. Liegt die Unterschrift danach, ist die Befristung mit hoher Wahrscheinlichkeit unwirksam, und Ihre Position ist eine völlig andere, als der Vertrag vermuten lässt.
  • Zweitens. Machen Sie offene Zahlungen sofort schriftlich geltend und beachten Sie die Ausschlussfristen. Stellen Sie Training und Matches nicht ohne vorherige Abmahnung und Ankündigung ein.
  • Drittens. Notieren Sie die Dreiwochenfrist ab Zugang jeder Beendigungserklärung. Auch eine offensichtlich unwirksame Kündigung wird nach Fristablauf wirksam.
  • Viertens. Regeln Sie Kanal, Inhalte und Einnahmen ausdrücklich und getrennt. Wer welchen Account hält, welche Inhalte in welchem Umfang genutzt werden dürfen und was nach Vertragsende gilt, gehört in drei eigene Klauseln.
  • Fünftens. Achten Sie bei minderjährigen Spielern auf die Zustimmung beider sorgeberechtigten Elternteile, auf die Grenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und auf eine mögliche familiengerichtliche Genehmigung bei langen Laufzeiten.
  • Sechstens. Lassen Sie den Vertrag vor der Unterschrift prüfen. Wir arbeiten dabei mit einer festen Reihenfolge, nämlich Status, Befristung, Beendigung, Vergütung, Rechte und Jugendschutz, und verhandeln die Anpassungen mit der Organisation. Was das kostet, erläutern wir im Beitrag zu den Anwaltskosten im Sportrecht.
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Häufige Fragen

Sind eSportler Arbeitnehmer?

In aller Regel ja, wenn sie nach Vorgaben der Organisation trainieren, an vorgegebenen Turnieren teilnehmen und in ein Team eingegliedert sind. Die Bezeichnung des Vertrags ändert daran nichts, weil es auf die tatsächliche Durchführung ankommt. Reine Content-Creators mit freier Zeiteinteilung können dagegen selbständig sein.

Kann die Organisation den Vertrag jederzeit beenden?

Nur wenn ein ordentliches Kündigungsrecht wirksam vereinbart ist, denn bei befristeten Verträgen ist die ordentliche Kündigung nach § 15 Abs. 4 TzBfG sonst ausgeschlossen. Andernfalls bleibt die außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund oder die Einigung. Gegen jede Beendigungserklärung ist binnen drei Wochen vorzugehen.

Bekomme ich Gehalt, wenn ich gebencht werde?

Ja. Das Arbeitsverhältnis besteht fort und die Vergütung ist weiterzuzahlen. Einen Anspruch auf Einsatz in bestimmten Matches gibt es nicht. Streitig sind meist die Preisgeldbeteiligungen, weshalb der Vertrag den Fall des Benchings ausdrücklich regeln sollte.

Wem gehört mein Streaming-Kanal?

Ohne klare vertragliche Regelung bleibt der auf Ihren Namen angelegte Kanal bei Ihnen. Nutzungsrechte an einzelnen Inhalten können Sie einräumen, sie sollten aber nach Zweck, Dauer und Kanal begrenzt sein. Eine vollständige Abtretung sämtlicher Einnahmen aus eigenen Streams ist in vorformulierten Verträgen angreifbar.

Was gilt für minderjährige eSportler?

Mit Kindern unter fünfzehn Jahren darf grundsätzlich kein Arbeitsvertrag geschlossen werden. Für Jugendliche gelten strenge Arbeitszeit- und Nachtruheregelungen, die mit internationalen Turnierzeiten kollidieren, sowie Pflichten zur gesundheitlichen Betreuung. Der Vertrag bedarf der Zustimmung der gesetzlichen Vertreter, bei gemeinsamer Sorge beider Elternteile.

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